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Der Sommer geht zur Neige PDF Drucken E-Mail

Liebe Gemeindeglieder, der Sommer geht zur Neige, wenn Sie diesen Gemeindebrief in Händen halten. Geschrieben wurde er im August. Da finden wir im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine den Monatsspruch aus 4. Mose 6,24-26:
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Dieser Aaronitische Segen ist der älteste überlieferte Segenspruch der Bibel, der bis heute im Gottesdienst des Judentums wie des Christentums gesprochen wird. Nach 4. Mose 6 offenbarte Gott den Text Mose. Aaron, dem älteren Bruder Moses, und seinen Söhnen, den Ahnen aller israelitischen Priester und Hohepriester, soll Segen für das ganze Volk Israel aufgetragen werden. Er stand in enger Verbindung mit dem Opferkult am Tempel in Jerusalem, war aber möglicherweise schon vorher davon unabhängig bekannt. Ob Winter oder Sommer, am Ende einer christlichen Veranstaltung wird den Versammelten der Segen Gottes zugesprochen oder für sie erbeten. Doch was hat es mit diesem Segen auf sich? "Segen" und "segnen" (hebräisch: ba-rakh) sind zentrale Worte im Alten Testament. Ihre Grundbedeutung lautet: mit heilvoller Kraft begaben. Der Segen soll seine Kraft entfalten und das bewirken, was er aussagt, damit der Gesegnete die Zuwendung Gottes erfährt. Eine treffende inhaltliche Beschreibung des Segens bietet der hebr. Begriff „Schalom“ (dt.: Frieden). Schalom bedeutet Wohlergehen im umfassendsten Sinne – materiell, körperlich und seelisch. Jeder Mensch kann anderen Segen zusprechen. So war der ursprüngliche Ort des Segnens die Familie. Der Vater, die Mutter segnet die Kinder. Im Gottesdienst soll der Segen als Zuspruch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Alltag begleiten. Auch im Neuen Testament ist an vielen Stellen vom Segen die Rede. Die griechische Übersetzung von "ba-rakh" lautet "eulogeo": gut reden von, loben, preisen, rühmen, segnen. Vielfach wird der Segen in den genannten Bedeutungsvarianten mit Jesus in Verbindung gebracht. In der bei Taufen gern zitierten Erzählung aus Markus 10,13-16 segnet Jesus die Kinder, die seine Jünger nicht zu ihm lassen wollten. Der deutsche Begriff "segnen" hat jedoch einen anderen Bedeutungs-zusammenhang als eulogeo. Er ist ein Lehnwort des lateinischen "signare" (mit dem Zeichen [des Kreuzes] versehen). Auch Martin Luther empfiehlt beim Morgen- und Abendsegen "sich zu bekreuzigen", was evangelische Christen heute aber in der Regel nicht praktizieren. "Segen" ist nicht nur ein Begriff der religiösen Sprache. Wir sprechen heute wieder ganz selbstverständlich vom „Erntesegen“. Gesund sein ist ein Segen und viele haben ein „gesegnetes Alter“. In den Wirtschaftsnachrichten ist vom "Geldsegen" die Rede, wenn jemand durch Geschäfte an der Börse viel „verdient“ hat. Wie vergänglich dieser Segen ist, ja auch zum Fluch werden kann, ist uns heute schmerzlich bewusst. Kaum ein Begriff aus der religiösen Sprache wird heute noch so unbefangen gebraucht wie "Segen" und "segnen" in all seinen Verbindungen. Wer sich auf eine lange Reise begibt, erbittet einen "Reisesegen". So genannte Segnungs-gottesdienste, in denen Besucher ein individuelles Segenswort erbitten können, haben regen Zulauf. An zentralen Lebensstationen werden Menschen gesegnet: bei der Taufe, bei der Einschulung, bei der Konfirmation, zur Trauung. Wozu dient der Segen Gottes? Er bezieht sich auf das, was man mit Geld nicht erwerben kann: Man kann sich ein Haus kaufen, aber nicht das Gefühl, daheim zu sein. Man kann sich ein Bett kaufen, aber keinen ruhigen Schlaf. Tabletten, aber keine Gesundheit. Segen ist nicht käuflich. Segen ist ein Geschenk. Ein Geschenk, das vor allem dann wirksam wird, wenn wir es miteinander teilen. Was Abraham in 1. Mose 12,2 von Gott zugesagt wird, gilt auch uns: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Der Segen Gottes möge Sie allezeit begleiten. So grüße ich Sie mit einem Irischen Segenswort: „Segen sei mit dir, der Segen strahlenden Lichtes, Licht um dich her und innen in deinem Herzen. Sonnenschein leuchte dir und erwärme dein Herz, bis es zu glühen beginnt wie ein großes Torffeuer – und der Fremde tritt näher, um sich daran zu wärmen. … Der Segen der Erde, der guten, der reichen Erde sei für dich da. Weich sei die Erde dir, wenn du auf ihr ruhst, müde am Ende des Tages, und leicht ruhe die Erde auf dir am Ende des Lebens, dass du sie schnell abschütteln kannst – und auf und davon auf deinem Wege zu Gott.“ Ihr Pfarrer Thomas Krispin


 
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