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Wie wird das Wetter? PDF Drucken E-Mail

Liebe Gemeindeglieder,

„Wie wird das Wetter?“ Eine Frage, die mir auch in diesem Jahr im Blick auf das Domfest am 27. Juni zunehmend häufiger gestellt werden wird. „Du hast doch den direkten Draht nach oben“, bekomme ich in dem Zusammenhang des Öfteren zu hören. „Wie wird das Wetter?“ 

Eine Frage, die auch mich in diesen Tagen besonders bewegt, denn so ein Fest lebt natürlich auch vom schönen Wetter. Und doch bin ich nach nun schon acht  erfolgreichen Domfesten mit annehmbarem und manchmal auch sehr schönem Wetter bereit, das Wetter so zu nehmen, wie es kommt und dann das Beste daraus zu machen – mit all den Möglichkeiten, die uns der Dom mit seinen räumlichen Gegebenheiten und der Klosteranlage zu bieten hat. Ich scheue mich nicht, Gott meine Wünsche auch in Bezug auf das Wetter mitzuteilen. Aber an einen Wettergott, wie ihn sich die Völker der Antike vorstellten, kann ich nicht glauben. Soll ich um Sonnenschein beten, wenn der Bauer sich Regen wünscht? Mein Anliegen ist vielmehr, dass Gott uns in den schwierigen und unangenehmen Lebenslagen in besonderer Weise Kraft und Segen schenkt, um die Situationen meistern zu können. Und da haben wir ihm auch im Blick auf vergangene Domfeste viel zu danken: als zum Beispiel beim Aufbau am Vorabend plötzlich eine Windhose zwei Verkaufsbuden durch die Luft wehte und mit ihnen auch ein Auto zerstörte, und was noch schlimmer war, einen Helfer verletzte – Gott sei Dank, nur leicht. Oder als beim Auftritt der Kinder eine Windböe diverse Dinge durcheinanderwarf, so dass die Kinder schreiend mit ihren Eltern den Schutz der Klosteranlage suchten. Ich konnte zu Beginn des Gottesdienstes das Geschehen draußen nur vertrauensvoll in die Hände Gottes legen und in die Hände der Helfer, die auf dem Domplatz Verantwortung übernahmen. Alles ging gut aus. Gott sei Dank. Nur ein Schreck und leichter Sachschaden.

Wie wird das Wetter? Wie soll es werden? Dazu eine Begebenheit aus dem Leben meines Großvaters. Er war Heizer im „Haus Gottesfriede“, dem Woltersdorfer Krankenhaus, in dem ich geboren wurde, in dem er auch beim Buchversandt behilflich war. In einer Gebetsgemeinschaft mit dem Gärtner und dem Hausmeister erlebte er, wie der Gärtner um Regen für seine Pflanzen bat, der Hausmeister aber im nächten Moment um Sonnenschein, weil die Pappdächer der den Kurgästen zur Erholung dienenden Lufthütten undicht waren. Anschließend nahm sich Großvater die beiden ins Gebet: „Einigt euch gefälligst vorher, was ihr von Gott wollt“

Beim Nachdenken über dieses Thema hilft uns vielleicht auch folgende Kurzgeschichte von Antony de Mello (Der Dieb im Wahrheitsladen, Freiburg 1997): Ein Wanderer fragt den Schäfer: „Wie wird das Wetter heute?“Und jener antwortet: „So, wie ich es gerne habe.“
„Woher wisst ihr, dass das Wetter so sein wird, wie ihr es liebt?“
„Ich habe die Erfahrung gemacht, mein Freund, dass ich nicht immer das bekommen kann, was ich gerne möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich ganz sicher: Das Wetter wird heute so sein, wie ich es mag.“

Wir werden das Wetter so nehmen, wie es kommt. Und wenn uns besondere Wetterkapriolen verärgern sollten, wollen wir nicht vergessen, dass unser Umgang mit der anvertrauten Schöpfung daran offenbar nicht unschuldig ist.

Wie auch das Wetter sein mag …
… ich wünsche Ihnen eine schöne und gesegnete Sommerzeit

Ihr Pfarrer Krispin


Noch einmal Antony de Mello:

„Wie erlangt man das Glück?“
„Durch Erlernen, mit allem, was man erhält, zufrieden zu sein.“
„Dann kann man sich nie etwas wünschen?“
„Doch man kann“, sagte der Meister, „vorausgesetzt, man tut dies in der Einstellung jenes ängstlichen Vaters, den ich einmal in der Entbindungsstation traf. Als die Hebamme sagte: ,Sie haben sich bestimmt einen Jungen gewünscht, es ist aber ein Mädchen`, erwiderte der Mann: ,Ach, das macht wirklich nichts, denn ich habe mir ein Mädchen gewünscht, falls es kein Junge ist.´“
 

 
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