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Liebe Gemeindeglieder,
das Rauschen des Windes in der Linde vor meinem Arbeitszimmer erinnert mich an die nahende Herbstzeit. Herbstzeit ist Erntezeit. Eigentlich fängt diese ja schon im Juli mit der Getreideernte an. Das Heu war schon viel früher dran.
Kindheitserinnerungen werden wach. Acht Wochen Erntehelfer in der LPG Typ I. Garben aufstellen für eine Mark der DDR pro Stunde. Beim Stroh Laden dann 1,50 und auf dem Trecker schließlich zwei Mark. 10 % wurden gespendet. Ehrensache – heute noch. Die Gespräche mit den Bauern, die ich zwar von den regelmäßigen Gottesdienstbesuchen kannte, auf dem Feld aber richtig kennenlernte. Nach Feierabend dann die individuelle Landwirtschaft – wie in der Schulzeit auch. … Schöne Zeit!
Im Herbst feierte die LPG Erntefest. Die Dorfkapelle spielte zum Tanz auf. Hörschäden waren nicht zu befürchten. Bis zur Konfirmation durften wir durchs Fenster schauen. Dann kamen die ersten unbeholfenen Tänze und die ersten Erfahrungen mit dem Alkohol.
In der Kirche feierten wir Erntedankfest. Als Konfirmand spannte ich die Pferde an. Dann fuhren wir von Hof zu Hof. Der Altar war umstellt mit prallen Kartoffelsäcken und Kisten voll Obst. Die Kinder brachten Teller mit ihren Gaben zum Altar und sagten ein Psalmwort auf. Das Lutherstift in Frankfurt / Oder hat die Gaben unsers Dankens gern genommen – dankbar angenommen. „Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott“ (Matthias Claudius).
Erntedank – Gott sei Dank!
Die Kindheit ist längst vorbei. Die LPG gibt es nicht mehr. Wenige Landwirte bewirtschaften große Flächen. Sie leisten viel und können sich oft nicht viel leisten. Wir sind ihnen zu großem Dank verpflichtet. Aber auch in Zeiten der industrialisierten Landwirtschaft und der Supermärkte wollen wir nicht versäumen, Gott zu danken. „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn“ (M. Claudius 1783).
Ein fröhliches, dankbares Herz wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Krispin |